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Langzeitarbeitslosigkeit

Schon seit Jahren: Im Schnitt über eine Million Langzeitarbeitslose im Sozialstaat Deutschland.

Dazu kommen noch etwa 1,1 Millionen Menschen die zwar als unterbeschäftigt, nicht aber als arbeitslos ausgewiesen sind. (Quelle: 20.12.2013 - BT-Drucksache 18/221, Nr. 40, 41 Deutscher Bundestag).

Jetzt will Ministerin Andrea Nahles ein 470 Millionen schweres Förderpaket für 2015 auflegen. Es richtet sich an ca. 33 Tausend Langzeitarbeitslose. Mit Lohnkostenzuschüssen soll Betrieben die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen schmackhaft gemacht werden. Auch ein Betreuungsprogramm, mit Dauer bis zu 18 Monaten, wird Bestandteil des Nahles-Projekts.

Frage: Ist das ein erster Schritt in die richtige Richtung? Antwort: Ja und Nein.

Nur 3 Prozent Langzeitarbeitslose können von diesem Prestigeprojekt der Ministerin einen Nutzen ziehen. Deshalb hagelt es auch schon heftige Kritik von vielen Seiten, auch vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, der schon seit längerem die Regierung auffordert, endlich das Ruder in Richtung mehr beruflicher Qualifizierung und längerfristige Förderung herumzureißen.

Lohnkostenzuschüsse können etwas bewirken, aber nur kurzfristig. Betriebe überlegen trotz des finanziellen Anreizes durch Lohnkostenzuschüsse, ob sie sich einen Mitarbeiter antun können, der z.B über zwei Jahre lang aus dem Arbeitsprozess heraus war und keine formelle Qualifikation vorweisen kann. Noch problematischer wird es bei Langzeitarbeitslosen mit Mehrfachbelastung oder wie es im Fachchargon heißt, mit multiblen Vermittlungshemmnissen.

Frage: Was ist zu tun? Antwort: Schwerpunkte in Ausbildung, bezahlte Beschäftigung und Betreuung setzen.

Die 1-Euro-Jobs, sowie das vom ESF Europäischen Sozialfonds für Deutschland finanzierte und Ende 2014 auslaufende Projekt "Bürgerarbeit" müssten ausreichend Auswertungsmaterial geliefert haben, um daraus richtige Schlüsse zu ziehen. Vor allem die Erkenntnis, dass Langzeitarbeitslose erst ihre Defizite abbauen müssen, bevor sie für den 1.Arbeitsmarkt auf Dauer geeignet sind. Langzeitarbeitslosenparkplätze, wie ich so manche Schulungsmaßnahmen bezeichne, sind jedenfalls keine Dauerlösung. Es ist höchste Zeit, dass Geld nur noch in qualifizierte Beschäftigungsprojekte gesteckt wird, die mittels Talentdiagnostik und individueller Förderung einen größtmöglichen Erfolg garantieren.

Jeder Langzeitarbeitslose soll sich einem Test unterziehen, um herauszufinden, welche Qualifizierung bei dem Einzelnen möglich oder notwendig ist. Während der Qualifizierungsmaßnahme sollte der Teilnehmer versicherungspflichtig mit einem Grundlohn von 8,50 Euro je Stunde entlohnt werden. Die Qualifizierungesmaßnahme darf nicht auf ein Jahr beschränkt werden, sondern soll so lange wie nötig verlängert werden können. Der Personenkreis der Langzeitarbeitslosen ist meist durch das Vorliegen multibler Vermittlungshemmnisse gekennzeichnet. Probleme im sozialen oder privaten Bereich, z. B. Überschuldung oder Alkoholsucht, können diese Menschen nicht mehr alleine bewältigen. Deshalb ist eine intensive Betreuung anzubieten, deren Dauer zeitlich nicht von vorn herein begrenzt werden darf.

CFJ Chance für Jeden FRG e.V. fordert unsere Politiker auf, sich endlich der Langzeitarbeitslosen ernsthaft anzunehmen und dafür zu sorgen, dass brauchbare Förderpakete aufgelegt werden. Wir dürfen die in allen Langzeitarbeitslosen ruhenden Leistungsreserven nicht vergeuden. Deshalb setzt CFJ Chance für Jeden FRG e.V. schon jetzt auf Ausbildung, bezahlte Beschäftigung und intensive Betreuung.

Paul Rammelmeyr
1.Vorsitzender


Quellen:
http://www.welt.de/newsticker/news1/article126554828/Nahles-Foerderprogramm-fuer-Langzeitarbeitslose-ab-2015.html
http://aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de/2013/09/03.html
http://newsroom.iza.org/de/2014/08/07/langzeitarbeitslose-zielorientierter-foerdern-wir-brauchen-keine-parallelwelt/
http://www.o-ton-arbeitsmarkt.de/o-ton-news/bundesregierung-rechnet-ruckgang-der-langzeitarbeitslosigkeit-schon