Integrative Nachhaltigkeitsschmiede FRG

Was hat den Anstoß für das Projekt gegeben? Welche Bedingungen haben uns den Start ermöglicht?
Nachdem im Jahr 2014 ein Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose auslief, wurde der Verein CfJ Chance für Jeden FRG gegründet, um Menschen unserer Region in Arbeit zu integrieren.
Aktivierung und Qualifizierung finden in einer der realen Arbeitswelt nahen Umgebung statt, die flexibel an die Leistungsfähigkeit des Einzelnen angepasst wird. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltige Projekte umzusetzen. Gleichzeitig sollen diese Aktivitäten Beispiel gebend sein und eine nachhaltige Entwicklung im Landkreis Freyung - Grafenau fördern.

Neben Dienstleistungen wie Hausentrümpelungen, Abbeizen von Möbeln, Autoinnenreinigung und Stuhlpolsterreinigungen, wurden in einem kleinen Laden am Stadtplatz in Freyung und in einer ehemaligen Bekleidungsfabrik eine Aus-Alt-mach-Neu-Textilwerkstatt, die Kleidung ändert und Taschen und Blusen aus Stoffresten produziert, eine Upcycling-Werkstatt für Kleinmöbel, eine Repairwerkstatt für Fahrräder und ein Gemeinschaftsgarten nach dem Permakulturprinzip eingerichtet. Im August 2015 haben wir eine Reparaturwerkstätte für alte Röhrenradios als Heimarbeitsstätte eingerichtet.

Seit Februar 2015 beteiligen sich auch Flüchtlinge, die im letzten Jahr in den Landkreis kamen und können einfache handwerkliche Grundlagen und Sprachkenntnisse erwerben. Eine Deutschlehrerin kümmert sich darum, dass die Learning-by-doing-Erfahrungen theoretisch verankert werden.

Einige Flüchtlinge haben erhebliche Schwierigkeiten, die deutsche Sprache zu erlernen. Sie sind zum Teil schwer traumatisiert, kennen unsere Schriftzeichen nicht und besitzen eine sehr schlechte Merkfähigkeit. Reines theoretisches Lernen erzielt nur sehr geringe Erfolge.

Dauerisolation in einem abgelegenen Dorf macht die Situation noch schwieriger. Oder sie wurden aufgrund des höheren Alters nicht in das Berufsschulsystem integriert, würden aber gerne eine Ausbildung machen. Um diesen Menschen, die in ihrer Heimat den Beruf des Schneiders erlernten oder handwerklich sehr begabt sind, eine sinnvolle Betätigung und die Möglichkeit von Learning-by-doing-Erfahrungen zu geben, nahm die Integrationspatin Alexandra Mager Kontakt zum Verein CfJ e.V. auf.
Der 1. Vorsitzende Paul Rammelmeyr willigte sofort ein, dass die Asylbewerber in seiner Werkstatt ehrenamtlich als Vereinsmitglieder arbeiten dürfen.

Was wollen wir erreichen?
Zum einen wollten wir erreichen, dass durch den Kontakt von Langzeitarbeitslosen mit Flüchtlingen Vorurteile abgebaut werden und somit ein Beitrag zum sozialen Frieden geleistet wird. Außerdem wollten wir die Fähigkeiten beider Gruppen vereinen: Die einen haben oft einen Beruf erlernt und sprechen deutsch, die anderen sind hochmotivierte Arbeiter.
Zudem setzte sich der Verein die Vermittlung der deutschen Sprache und einfacher handwerklicher Fähigkeiten zum Ziel. Des weiteren möchte man in der Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass Langzeitarbeitslose mit Mehrfachbelastung und Flüchtlinge nicht nur nehmen, sondern Talente haben und ihren Beitrag zum Gemeinwohl leisten wollen.
Menschen, die auch in Zukunft kein hohes Einkommen haben werden, wollen die ehrenamtlich Tätigen zeigen, wie man sich in Deutschland ohne teure Anschaffungen selbst versorgen kann. Dies geschieht hier über einen Dauerflohmarkt gebrauchter Haushaltsgegenstände und Möbel, der Wiederverwertung von Stoffresten sowie über die Anlage eines Gemeinschaftsgartens nach dem Permakulturprinzip.

Wer waren bisher unsere Helfer und wie war unsere Vorgehensweise?
Der Schlosser Franz Haas kümmerte sich zusammen mit den Eritreern Dawit, Tesfalem und Tesfamariem um eine Reparaturwerkstatt für Fahrräder. Frau Margret Eichinger, eine sich im Ruhestand befindende Schneidermeisterin, sammelte Stoffreste,organisierte Nähmaschinen und gab ihr Know-how an den senegalesischen Schneider Ibrahim Mohamed weiter.
Der Verein mietete einen kleinen Laden am Stadtplatz, in der mit gebrauchten Gegenständen und selbstkreierten Möbeln eine Änderungsschneiderei eingerichtet wurde.
Der 1.Vorsitzende Malermeister Paul Rammelmeyr unterstützte jeweils und stattete zusammen mit mehreren Langzeitarbeitslosen mit Mehrfachbelastung die Räume unseres Beschäftigungsprojektes aus. In ihr lernen Shishay und Ahmed aus Eritrea, Möbel und Elektrogeräte zu zerlegen, die Teile zu sortieren und Kleinmöbel zu restaurieren. Die Gartenplanerin Alexandra Mager legte mit den Asylbewerbern ein Heukartoffelfeld an, pflanzte mit ihnen selbst gesäte Sonnenblumen und vertiefte die sprachlichen Kenntnisse ein Mal pro Woche theoretisch.

Was haben wir erreicht? Was bedeutet das Erreichte für eine neue Willkommens- und Verständigungskultur? Wie geht es weiter?
Zu den großen Erfolgen für uns zählt, wenn einer unserer Langzeitarbeitslosen mit Mehrfachbelastung in ein festes Arbeitsverhältnis kommt. Das ist uns in mehreren Fällen gelungen. Vorurteile konnten abgebaut werden. Der Learning-by-doing-Ansatz beim Deutschlernen kommt den Asylbewerbern sehr entgegen, sie lernen schneller, haben mehr Spaß beim Lernen und vergessen die Wörter durch das handlungsorientierte Lernen weniger. Handwerksgeräte und Werkzeuge werden routinierter benutzt.
Die Änderungsschneiderei wird trotz schlechter Deutschkenntnisse von der Bevölkerung angenommen, wodurch der Asylsuchende viel Wertschätzung erhält und motiviert ist, auf dem Land wohnen zu bleiben. Es wird eine ressourcenschonende, nachhaltige Lebensweise praktiziert, die unabhängiger von staatlicher oder karitativer Unterstützung macht. Durch Presseartikel und Kontakte zu Geschäften konnten Arbeitsstellen vermittelt werden. Das Jobcenter will in Zukunft wieder 1,50 € - Kräfte zur Verfügung stellen und wird mit dem Verein zusammenarbeiten. Das nächste Projekt soll ein kreatives Wiederverwertungszentrum werden, in dem Rest-Materialien von Firmen gesammelt und für Pädagogen zur Verfügung gestellt werden.

Was war uns besonders wichtig? Worauf sind wir stolz? Was können andere von unserem Erfolg lernen?
Besonders wichtig war uns, die beiden Randgruppen ein Stück weit aufzufangen und somit die sozialen Träger zu entlasten. Es ist uns besonders gelungen, auf den Stärken der Menschen aufzubauen und Schwächen erst einmal zu akzeptieren.
Viele Menschen, auch von der Presse und vom Fernsehen (siehe Filmbeitrag des Bayerischen Fernsehens: Flüchtlinge in Freyung)
wurden auf die Projekte aufmerksam und verfolgen die Entwicklung.
Besonders stolz sind wir darauf, so viel aus eigener Kraft geleistet zu haben.

Wer hat uns unterstützt und wem sind wir zu Dank verpflichtet!
Bislang musste unser Projekt aus eigenen Mitteln und Spendengeldern finanziert werden.

Großer Dank gilt allen Unterstützern! Besonders danken müssen wir aber unserem Vermieter Gerard Anolick. Sein unerschütterliches Vertrauen in unser Projekt verdient größte Anerkennung und Bewunderung.

Die Geldgeber:
Dr. Siegfried Schmidbauer, Freyung (ohne seine finanzielle Hilfe wäre der Verein nicht aus der Startphase gekommen)
Maler Ludwig Mertl, Ruderting
Markus Stopp, Weilheim
Markus Fuchs, CH-Zürich
Christine Zuppinger
Almut Stauch-Zuppinger
Niemann Edgar, Freyung
Maria Engshuber, Freyung
Miriam Aufschläger, Freyung
Sparkasse Freyung-Grafenau, Freyung
Landrat Sebastian Gruber, Freyung
Modehaus Garhammer, Waldkirchen
Sachleistungen zur Projektausstattung:
Mathias Fuchs, Perlesöd 11, Freyung
Pauli Computer, Inh. M. Maier, Jandelsbrunn
Josef Schramm, LKW-Werkstatt, Unterhöhenstetten
Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer:
Alexandra Mager, Integrationskoordinatin
Margret Eichinger, Anleiterin für Änderungsschneiderei
Andrea Haas, Anleiterin für Büro und Verkauf
Franz Haas, Anleiter für Werkstatt und Reparatur
Rammelmeyr Paul, Projektleiter